Ein Exzerpt erstellen
Wie du möglichst viel aus einem Text herausholst
Ein Exzerpt dient sowohl dazu, die Inhalte eines Texts zu erschließen, als auch diese später wieder zu finden, ohne dazu den kompletten Text noch einmal lesen zu müssen. Im Gegensatz zu einer reinen Zusammenfassung notierst du in einem Exzerpt auch deine eigenen Gedanken, Fragen und Reaktionen zu dem gelesenen Text.
Dafür kannst du es gebrauchen
Ein Exzerpt anzufertigen ist wesentlich aufwendiger als einen Text „nur“ zu lesen und mit Annotationen zu versehen. Du wirst also eine Auswahl treffen müssen, für welche Texte du diesen Aufwand betreiben möchtest. Besonders dann, wenn du dich später in deiner eigenen Arbeit intensiv auf einen Text beziehen wirst, kann es sich lohnen, ein Exzerpt anzufertigen. Ein anderer Grund dafür wäre, wenn ein Text für deine Arbeit wichtig ist, dir aber beim einfachen Lesen unverständlich bleibt. Dann kann das Exzerpieren womöglich beim Erschließen der Inhalte des Texts hilfreich sein. Ein weiterer möglicher Anlass zum Exzerpieren ist, wenn du den Inhalt eines Texts später noch zur Vorbereitung auf eine Prüfung benötigen wirst. In diesem Fall hilft einerseits das Exzerpieren selbst beim Verinnerlichen der Inhalte und andererseits ist es für die Prüfungsvorbereitung leichter machbar, das Exzerpt noch einmal zu lesen als den gesamten Text.
So geht es
Manchmal nervig, aber wichtig und nützlich: Notiere ganz am Anfang alle Angaben, die du brauchst, um den Text korrekt zitieren zu können. Wenn möglich, formuliere, bevor es richtig losgeht, deine Fragestellung an den Text. Wenn du schon beim Exzerpieren den Text daraufhin untersuchst, was er zu deinen Fragen zu sagen hat, trägt dein Exzerpt zu deiner späteren Arbeit vermutlich mehr bei, als wenn du dich ohne eigenes Ziel vom Text leiten lässt. Anschließend liest du den Text und schreibst parallel dazu die Stellen heraus, die dir in Bezug auf die Fragestellung nützlich erscheinen. Achte dabei besonders auf zentrale Thesen, Aussagen oder Argumente des Texts. du kannst diese sowohl als Paraphrasen als auch als wörtliche Zitate herausschreiben. Für was von beidem du dich entscheidest, kannst du davon abhängig machen, was für deine eigene Arbeit später besser zu verwerten sein wird. Das hängt also auch von der jeweiligen Fachkultur beim Umgang mit Zitaten ab. Im Zweifel solltest du wörtliche Zitate vor allem dann verwenden, wenn entweder der genaue Wortlaut der Grund dafür ist, dass du eine Stelle zitierst, oder wenn du eine Aussage beim besten Willen nicht treffender und kompakter mit eigenen Worten ausdrücken kannst. Eine reine Auflistung wörtlicher Zitate würde dem Anspruch nicht gerecht, dass du dich beim Exzerpieren mit dem Text kritisch auseinandersetzt. Unabhängig von der Art eines Zitats solltest du immer den genauen Ort notieren, wo du eine Aussage entnommen hast. Wenn du am Anfang des Exzerpts die genauen bibliographischen Informationen des Texts schon angegeben hast, genügt es, bei den einzelnen Zitaten die jeweilige Seitenzahl anzugeben.
Wenn der gelesene Text selbst schon Zitate enthält und du diese in dein Exzerpt übernimmst, werden sie dadurch zu Sekundärzitaten. Diese solltest du, wann immer es geht, am zitierten Originaltext überprüfen. Wenn du diesen nicht auftreiben kannst, solltest du wenigstens kenntlich machen, dass es sich um ein Sekundärzitat handelt. („Autor X, zitiert nach Autor Y“ bei wörtlichen Zitaten oder bei indirekten Zitaten beispielweise „Autor Y beschreibt die Position von Autor X folgendermaßen: ….“) Ein Exzerpt dient auch dem Zweck, dass du es nach längerer Zeit noch einmal in die Hand nehmen kannst, um es für deine eigene Arbeit zu verwenden. Damit es dabei nicht zu Verwechslungen kommt und damit du dir die Arbeit der Überprüfung nicht zweimal machst, solltest du kennzeichnen, welche Sekundärzitate du schon geprüft hast und welche nicht.
Zu einem Exzerpt gehört auch dazu, dass du die dem Text entnommenen Aussagen kritisch einordnest und auch deine eigenen Gedanken einfließen lässt. Auch Querverweise und Vergleiche mit anderen Texten sind möglich. Fragen, die der Text entweder neu aufwirft oder offenlässt, kannst du ebenfalls benennen. Es versteht sich von selbst, dass klar erkennbar sein muss, was aus dem Text stammt und was von dir. Was die Struktur des Exzerpts bzw. die Abfolge der herausgeschriebenen Aussagen betrifft, kannst du in den meisten Fällen einfach linear dem Text folgen. Falls dir ein Text in dieser Hinsicht verwirrend vorkommt, z.B. weil er ständig zwischen verschiedenen Aspekten hin und her springt, die du lieber getrennt voneinander betrachten möchtest, dann kannst du diese Abfolge aber auch deinen eigenen Bedürfnissen entsprechend umsortieren. In diesem Fall solltest du besonders gründlich darauf achten, dass du kennzeichnest, was du wo entnommen hast – auch wenn das ja ohnehin selbstverständlich sein sollte.
Falls du als Arbeitsauftrag innerhalb einer Lehrveranstaltung ein Exzerpt anfertigen sollst, kann es sein, dass dort abweichende oder zusätzliche Anforderungen bestehen. Die Anforderungen an ein Exzerpt können sowohl von deinem Fach abhängen als auch von den Vorlieben eines einzelnen Dozenten. Sofern dein Exzerpt Teil einer Studien- oder Prüfungsordnung sein sollte, informiere dich, ob es bestimmte Anforderungen gibt, die du beachten musst. Falls du ein Exzerpt ausschließlich für dich selbst anfertigst, bist du in dessen Gestaltung vollkommen frei. Trotzdem ist es sinnvoll, gewisse Konventionen in jedem Fall einzuhalten, z.B. das korrekte Zitieren und die klare Kennzeichnung von eigenen und fremden Gedanken.
Quellen bzw. weiterführende Literatur
[1] Marie Carow: Exzerpte. In: Esther Breuer et al. (Hg.): Wissenschaftlich schreiben – gewusst wie! Tipps von Studierenden für Studierende, wbv, Bielefeld 2021, S. 58ff