Das Fokussierte Freewriting

Weniger nachdenken, mehr schreiben.

Das Fokussierte Freewriting ist eine Technik, die dazu dient, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Text zu einem Thema aufs Papier oder in den Computer zu bringen. Die Rohfassung dieses Texts schreibe ich gerade auf diese Weise.

Man beginnt einfach mit dem Schreiben und schaut, wo es einen hinführt. Das kann am Anfang ungewohnt sein und es liegt auch nicht jedem. Aber es lohnt sich, es zumindest zu versuchen. Ich selbst war davon überrascht, dass die Technik für mich funktioniert, was ich anfänglich überhaupt nicht erwartet hätte. Beim fokussierten Freewriting ist die Besonderheit, dass man sich auf ein bestimmtes Thema im Voraus festlegt. Freewriting im Allgemeinen wäre eine Technik, bei der man vollkommen frei jeden beliebigen Gedanken zu jedem beliebigen Thema aufschreibt, um so einen Zugang zu im Unterbewusstsein verborgenen Gedanken und Ideen zu finden. Falls du mit so einer schon fast therapeutischen Art zu schreiben nichts anfangen kannst, lies trotzdem weiter, denn das ist hier gar nicht gemeint.

Auch wenn es durchaus darum geht, innerhalb des abgesteckten Themas seinen Gedanken freien Lauf zu lassen und möglichst wenig über das Geschriebene nachzudenken, geht es darum, sachlich über ein Thema zu schreiben. Während des Schreibens sollte der Text nicht überarbeitet werden. Stattdessen wird immer nur vorwärts geschrieben. Das tut man für eine bestimmte Zeitspanne, die man sich vorher festlegt und schaut nach Ablauf dieser Zeit, was dabei herausgekommen ist. Der so entstandene Text muss natürlich noch überarbeitet werden. Aber man erhält auf diese Weise relativ schnell eine Grundlage zum Überarbeiten. Da von vorneherein klar ist, dass der Text keinesfalls perfekt und druckreif werden kann, sinkt bei der anschließenden Überarbeitung die Hemmschwelle, ihn nochmals gründlich zu verändern. Falls der Drang, den Text zwischendurch immer wieder zu lesen, anstatt weiterzuschreiben, zu groß wird, oder du sogar das Bedürfnis hast, schon Geschriebenes sofort wieder zu überarbeiten, kann es helfen, den Text vorübergehend unsichtbar zu machen. Sehr einfach geht das, indem du die Schriftfarbe auf weiß einstellst, wenn du auf weißem Grund schreibst. So wirst du maximal die letzten zwei Wörter in deinem Text noch verändern können. Hauptsächlich geht es mit dem Schreiben dann aber nur noch vorwärts – so wie es beim fokussierten Freewriting sein soll. Eine andere Möglichkeit wäre, den Bildschirm abzudecken (Achtung: Wärmestau vermeiden!) oder dich mit deiner Tastatur so hinzusetzen, dass du den Bildschirm nicht sehen kannst, sofern das die räumliche Situation deines Arbeitsplatzes erlaubt. Bei konsequenter Anwendung des fokussierten Freewritings sollte während der vorher gewählten Zeitspanne nie mit dem Schreiben aufgehört werden. Sofern dir tatsächlich nichts einfallen sollte, kannst du dann entweder das zuletzt geschriebene Wort immer wieder wiederholen oder z.B. „Was noch?“ schreiben, bis dir wieder etwas einfällt. Falls du mit der Hand schreibst, kannst du auch Kreise aufs Papier malen. Den motorischen Fluss des Schreibens ohne Unterbrechung am Laufen zu halten, soll dabei helfen, auch die Gedanken in Bewegung zu halten.

Meine Empfehlung ist es, die verschiedenen Varianten einmal auszuprobieren und dann zu entscheiden, was für dich funktioniert, denn das ist es, worauf es letztendlich ankommt. Niemand steht hinter dir, während du schreibst, und überwacht, ob du ein fokussiertes Freewriting der „reinen Lehre“ nach durchführst. Ich habe z.B. festgestellt, dass mir das permanente unterbrechungslose Schreiben, das notfalls durch „Füllwörter“ und Wiederholungen sichergestellt wird, nicht liegt. Stattdessen erlaube ich mir gelegentlich ganz kurze Denkpausen. Gerade in diesen Pausen entsteht dabei dann eine Art „Spannung“, die mich sehr bald zum Weiterschreiben bringt. Das Schreiben mit unsichtbarer Schrift nutze ich hingegen sehr gerne.

Auch wenn ich, wie oben erwähnt, diesen Text auf diese Weise geschrieben habe, liest du hier natürlich nicht das unmittelbare Ergebnis davon, sondern eine überarbeitete Fassung. Ich habe einiges an Rechtschreibfehlern, die gerade beim Schreiben mit unsichtbarer Schrift vorkommen können, korrigiert und teilweise auch die Reihenfolge der dargestellten Gedanken umsortiert und Formulierungen geändert. Der Aufwand der Überarbeitung war größer als bei anderen Texten, die ich auf „normale“ Weise schreibe. Dafür war die Rohfassung innerhalb kürzester Zeit geschrieben, so dass sich diese Vorgehensweise mit Blick auf den Gesamtaufwand durchaus gelohnt hat.

Falls du eine Möglichkeit suchst, deine Gedanken möglichst direkt aufs Papier zu bringen, ohne gleich einen zusammenhängenden Text zu schreiben, könnte auch das Clustering für dich interessant sein.

Quellen bzw. weiterführende Literatur

[1] Stephanie Dreyfürst, Nadja Sennewald: Schreiben, Verlag Barbara Budrich, Opladen 2014, S.172

[2] Ella Grieshammer et al.: Zukunfstmodell Schreibberatung, Schneider Verlag, Hohengehren 2022, S.208

Veröffentlicht: , zuletzt aktualisiert: 06.04.2025