Cluster
Ideensammlung schnell und effizient
Das Clustering ist eine ursprünglich aus dem kreativen Schreiben stammende Technik zur Sammlung von Assoziationen und Ideen. Wie andere Brainstormingtechniken auch zielt es darauf ab, alle Einfälle zunächst vollkommen frei und ungefiltert aufs Papier zu bringen. Das Clustering lässt sich zur Vorbereitung von Texten aller Art nutzen, auch beim wissenschaftlichen Schreiben.
Ablauf
Du benötigst ein Blatt Papier und einen Stift. Ein Tablet und ein Stift, mit dem du auf dem Bildschirm schreiben kannst, funktioniert auch. In diesem Fall solltest du eine Notizenapp verwenden, die dich wie auf einem Blatt Papier schreiben lässt. Eine spezielle Mindmapping-App oder Ähnliches wäre beim Clustering eher hinderlich. Du legst das Blatt quer vor dir auf den Tisch und schreibst das Thema bzw. den zentralen Begriff, um den es gehen soll, in die Mitte des Blattes und kreist ihn ein. Den ersten Begriff, der dir als Assoziation einfällt, schreibst du daneben, kreist ihn ebenfalls ein und verbindest beide Kreise (oder Ellipsen) mit einer Linie. Die nächste Assoziation zu dem gerade notierten Begriff schreibst du auf dieselbe Weise daneben, kreist auch diesen ein und ziehst auch hier eine Verbindungslinie. So entsteht eine Assoziationskette, die sich visuell als eine Kette eingekreister Begriffe darstellt. Wenn du mit deiner Assoziationskette an ein Ende kommst, kannst du jederzeit zum Ursprungsbegriff oder zu einem beliebigen anderen Begriff zurückspringen und von dort ausgehend eine neue Assoziationskette beginnen. Auch netzartige Verbindungen, die mehrere Begriffe zu einem Dreieck, einem Kreis oder einer komplizierteren Struktur verknüpfen, sind möglich. Alle Assoziationen werden dabei ungefiltert so aufgeschrieben, wie sie dir „in den Kopf kommen“. Es ist nicht wichtig, ob alles Notierte letzten Endes verwertbar ist. Auch auf eine systematische Sortierung und Hierarchisierung der Begriffe kommt es nicht an. Zu einem gewissen Grad ergibt sich dies ganz von selbst dadurch, dass deine Assoziationen keine reinen Zufälle sind, sondern durchaus sinnhafte Verbindungen zwischen den Begriffen darstellen. Eine darüberhinausgehende Systematik anzustreben wäre beim Clustering aber hinderlich. Im Idealfall bleibt deine schreibende Hand während des Clusterings dauerhaft in Bewegung. Solange der Strom an Assoziationen fließt, ergibt sich das von selbst. Es ist normal, dass du evtl. auch einmal einen Moment brauchst, bis dir etwas einfällt, das du dem Cluster hinzufügen kannst. Diese Momente, in denen du dir die schon notierten Begriffe noch einmal ansiehst, kannst du überbrücken, indem du die Umkreisungen und die Verbindungslinien der Begriffe noch einmal nachzeichnest. So wanderst du mit der Hand und mit deinen Gedanken über das Blatt, bis du eine Stelle findest, an der du noch etwas hinzufügen kannst. Fertig bist du mit dem Clustering, wenn dir nichts mehr weiter einfällt oder wenn du mit der Menge an notierten Begriffen zufrieden bist. Das Ergebnis, das du so erhältst, kann und darf etwas chaotisch aussehen. Für andere Menschen ist es evtl. ein wenig verwirrend oder erklärungsbedürftig, was aber nicht wichtig ist, da es vor allem für dich selbst da ist. Du kannst dein Cluster als Grundlage für weitere Arbeitsschritte verwenden, z.B. um eine Gliederung für deinen Text zu erstellen, oder du kannst die Begriffe noch einmal umsortieren, so dass daraus eine Mindmap oder eine Concept-Map entsteht. Wenn es um einen eher kurzen Text oder Textteil geht, den du mit dem Cluster vorbereitet hast, dann kannst du, wenn du möchtest, ohne weitere Zwischenschritte direkt mit dem Schreiben beginnen. Wenn du sofort nach dem Clustering mit dem Schreiben beginnst, kann es sogar sein, dass du große Teile deines Texts schreibst, ohne überhaupt auf das Blatt mit dem Cluster zu schauen. Das heißt aber nicht, dass dieses überflüssig gewesen wäre, sondern gerade durch die Erstellung des Clusters hast du deine Gedanken so sortiert, dass der anschließende Schreibfluss dadurch unterstützt wird.
Hintergrund: Warum funktioniert das?
Begriffliches und bildliches Denken finden in verschiedenen Gehirnregionen statt. Das bildliche Denken wird der linken Gehirnhälfte zugeschrieben, das begriffliche Denken der rechten. Das Clustering stellt eine Verbindung von beidem dar, die beide Gehirnhälften in den Arbeitsprozess einbezieht, um die Stärken der verschiedenen Hirnregionen gleichzeitig zu nutzen.
Ursprung: Wo kommt das her?
Das Clustering wurde ursprünglich von der Anglistin, Kulturwissenschaftlerin und Autorin Gabriele L. Rico entwickelt. Sie verwendete die Technik zunächst selbst während der Arbeit an ihrer Doktorarbeit. Später veröffentlichte Sie die Methode in ihrem Buch „Writing the natural Way“ [1] bzw. „Garantiert schreiben Lernen“ [2].
Cluster und Mindmap im Vergleich
Ein Cluster sieht auf den ersten Blick einer Mindmap ähnlich. Im Gegensatz zu einer solchen hat ein Cluster aber nicht den Anspruch, die darin enthaltenen Begriffe auf systematische Weise hierarchisch anzuordnen. Stattdessen ist das Clustering eine Brainstormingtechnik zur freien Sammlung von Assoziationen. Die dabei entstehenden Assoziationsketten ergeben visuell oft eine Baumstruktur, die einer Mindmap ähnelt. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass die hierarchische Struktur einer Mindmap sich aus der Systematik des dargestellten Themas ableitet, wohingegen die Struktur eines Clusters ungefiltert die Assoziationen wiedergibt, die während seiner Erstellung auftreten. Das geht dann am besten, wenn sich der Impuls, einen Begriff aufzuschreiben, ohne jede Verzögerung motorisch umsetzen lässt. Dies ist der Grund dafür, dass ich weiter oben schon von speziellen Mind-Mapping-Apps für das Clustering abgeraten habe. Wenn ein Begriff in einem Cluster entsprechend einer Assoziation notiert wurde, steht er per Definition an der richtigen Stelle. Beim Erstellen einer Mindmap kann es hingegen vorkommen, dass man Begriffe noch einmal umsortiert, damit ihre Anordnung der Struktur des dargestellten Themas besser entspricht. Dabei kann die Verwendung einer Mindmapping-Software schon eher hilfreich sein.
Quellen bzw. weiterführende Literatur
[1] Gabriele L. Rico: Writing the Natural Way, J.P. Tarcher, Los Angeles 1983
[2] Gabriele L. Rico: Garantiert schreiben lernen, Rowohlt, Reinbek 1984